Zum siebenundsechzigsten Mal jährt sich der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers in Ausschwitz am 27 Januar 1945. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des National-sozialismus werde ich keine Zahlen veröffentlichen. Die kann man nachlesen. Ich werde eine Geschichte erzählen, die meine Mutter mir erzählt hat. Inzwischen bin ich derjenige, der die Geschichten weitergeben muss.
Und dann war Stille
Nasskalt war es, an diesem Tag im Januar 1945. Wie jeden Tag machte sich meine Mutter auf zum Dorfkonsum. Viel gab es nicht zu kaufen, aber eine der Frauen, hatte immer Neuigkeiten zu berichten.
Plötzlich wurde es laut auf der Straße vor dem Laden. Stiefelgetrappel, Schreie und Motorenlärm waren zu hören. Eine junge Frau, kreideweiß im Gesicht, huschte in den Laden. “Um Gottes Willen!” rief sie. Die Ladenbesitzerin schaute aus der Tür. “In die Häuser! Fenster und Türen zu!”, schrie jemand. Die Ladenbesitzerin schloss den Rollladen, ließ die Tür aber offen. So konnten die Frauen im Laden durch die Ritzen auf die Straße schauen.
Und dann sahen sie sie, ausgemergelte Gestalten, Schatten ihrer selbst, Frauen, nur mit einem dünnen Drillichanzug bekleidet. Ihre nackten Füße steckten in Holzpantoffeln. Mühsam schleppten sie sich die Straße entlang. Jeder Schritt bereitete ihnen Mühe.
“Sie kommen von Auschwitz”, flüsterte eine der Frauen. ” Sie sollen nach Buchenwald.” “Wie sollen die das denn schaffen?” “Sie haben bestimmt Kinder, oder Eltern.” “Pssst! Still!”, zischte die Ladenbesitzerin. Es kam jemand die Stufen zum Laden herauf. Eingemummelt in einen Ledermantel mit Pelz, einen Schäferhund an der Leine, kam eine Aufseherin die Treppe herauf und stellte sich in den schützenden Aufgang. Sie klopfte sich den Schnee vom Mantel und zog den Kragen hoch. Die Frauen hielten die Luft an.
Noch immer schlurften und klapperten die Holzpantoffeln über das Kopfsteinpflaster. Eine der Frauen blieb stehen, schwankte und sank auf die Knie. “Los, weiter!”, schrie die Aufseherin aus dem Hauseingang. “Was soll denn das Getrödele? Wir wollen auch mal ankommen.”
Zwei Frauen bückten sich zu der Knienden, fassten ihr unter die Schulter und zogen sie hoch. Sie legten sich die Arme der Gestürzten über die Schultern und ganz langsam bewegte sich der Zug wieder vorwärts.
Etwas knallte. Die Aufseherin schlug mit einer langen Lederpeitsche den Frauen auf der Staße an die nackten Beine. Blut lief ihnen die Beine hinab.
“Das werde ich nicht vergessen”, zischte die Ladenbesitzerin durch den Rollladen. “Und dich werde ich auch nicht vergessen. Wer weiß, vielleicht läufst du in nicht all zu langer Zeit die Straße zurück.” Die Aufseherin fuhr herum und trommelte mit beiden Fäusten an den Rollladen. “Aufmachen!”, schrie sie. “Ihr könnt alle gleich mit. Waaaache!”
Und dann war plötzlich Stille. Erschrocken waren die Frauen im Laden von der Tür zurückgewichen und hielten sich an einander fest. Meiner Mutter liefen die Tränen über das Gesicht. Sie blickte die anderen Frauen im Laden an und sah, dass auch sie leise weinten.
An dem heutigen Tag verneige ich mich vor allen Häftlingen, die in den Lagern und auf den Todestransporten Schreckliches erleben mussten. Und ich verneige mich ebenso vor denen, die nichts vergessen haben, auch wenn es manchmal nicht leicht war, darüber zu reden und Fragen zu beantworten.
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Also, ich freue mich über den Gewinnzuwachs bei Apple.
Meine ersten Erfahrungen mit Rechnern hatte ich an Apple-Rechnern. Im kreativen Bereich und in den Druckereien arbeitete man damit. Und das hatte seinen Grund. Als ich im Rahmen einer Weiterbildung auch an andere Rechner musste, an die anderen mit den Fenstern, war das einfach nicht gut für mich. Allerdings habe ich meinen Apple danach noch mehr geliebt.
In den Pausen standen die männlichen Kursteilnehmer in der Raucherecke und unterhielten sich:
A: „Ich habe meine neue Druckersoftware installiert, aber es druckt nicht.“
B: „Hast du mal in der Registry den Eintrag „XYZ“ durch den Code „Alpha-Betha“ ersetzt?“
A: „Das habe ich gemacht, aber jetzt erkennt der Rechner die Grafikkarte nicht mehr.“
Plötzlich schauten die beiden mich an, mit einem Blick so von oben und meinten selbstgefällig:
„Na, Gudrun, da staunst du! Gib es zu, davon hast du keine Ahnung.”
Stimmt. Davon musste ich aber auch nie Ahnung haben. Zum Glück.
Continue reading “Totgesagte leben länger. Und ich wühle in Erinnerungen.”
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Vor einiger Zeit, als ich noch mit den Schafen zu tun hatte, musste ich zu einem alten Schäfer in ein Dorf in Sachsen-Anhalt fahren, um abzusprechen, wann der Schafscherer kommen kann. Ich musste einwenig warten und sah mich um. Da stand doch auf der Wiese ein alter Schäferkarren. Hach, das wäre doch was für mich: der Karren, mein Spinnrad, die Wolle und Filznadeln, ein Tisch und zwei lange Bänke. Zur Stärkung gäbe es Fettbemmchen aus ganz frischem Brot. Und Tee, den würde es immer geben.
Wenn es wieder wärmer wird, werde ich auf mein Fahrrad hüpfen und in das Dorf in Sachsen-Anhalt fahren. Mal sehen, was aus dem Schäferkarren geworden ist. Vorsorglich werde ich heute schon mal das Fahrad putzen.
(Der Schafscherer damals war übrigens ein alter Grobian.)
Continue reading “Ein Schäferkarren in einem Dorf in Sachsen-Anhalt und warum ich mein Fahrrad putze.”
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Nun ist der Jan wieder in Berlin. Gestern noch hatten wir Stellenangebote durchsucht. Nicht, dass Jan wieder nach Leipzig will, aber mit mir soll es ja auch vorwärts gehen. Das wünsche ich mir. Und das wünschen sich meine Kinder.
Elfmal suchte man Mediengestalter in Leipzig. “Wow”, dachte ich so bei mir. “Es geht wahrscheinlich doch vorwärts. Und du jammerst.” Fast war ich geneigt, mich einwenig zu schämen.
Und dann haben wir uns die Stellenangebote genauer angesehen. Zehnmal suchte man einen Praktikanten. Das elfte Angebot, das war allerdings der Knaller. Man suchte einen Vorpraktikanten! Und, wenn man sich bewährt, als Vorpraktikant, dann darf man dann ein Praktikum machen?
Eigentlich müsste ich meine illustrierte Kindergeschichte an Verlage schicken. Ich kann gerade nicht. Aber den Kopf in den Sand stecke ich auch nicht.
Continue reading “Manches wird besser, aber alles wird gut.”
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Sonntags in der Weiber-WG.
Irgendwer von den Damen muss sich um den Aufwasch kümmern. Wer ist drann? Die Gastkatze Penny!
Mit Aufwaschen war wohl dann doch nichts, aber der nicht ganz zugedrehte Wasserhahn brachte der Katze viel Freude. Ist halt meine kleine Gänseweindrossel, die Penny.
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Es ist Sonntagabend.
Der Jan räumt noch in seiner Wohnung. Er räumt aus. Morgen fährt er wieder nach Berlin. Dort hat er Arbeit gefunden als Fotograf und Lehrer. Es ist richtig, dass er dahin geht, wo er Chancen bekommt. Es ist richtig, dass er die Chancen nutzt. Ich weiß das, aber trotzdem fällt es mir schwer, ihn so ziehen zu lassen. Vielleicht habe ich auch einfach nur Angst davor, alleine zu sein.
Eigentlich dachte ich, dass ich an einem ganz guten Wirtschaftsstandort lebe mit meinen Kindern. Dem ist aber nicht so. Leipzig als Buchstadt ist schon öfter gebeutelt worden, 1933, 1945, 1989. Es lohnt sich nachzulesen, weil man dann vielleicht einiges besser versteht. Auch die Menschen, die hier leben und leben müssen. Hier macht man schon Witze, dass wir das Altenheim Deutschlands werden, weil die Jungen weg gehen. Ich kann über den Witz nicht so recht lachen, würde gerne auch meinen Koffer packen.
Continue reading “Er hatte noch einen Koffer in Leipzig.”
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Beim Zeichnen heute ging mir so durch den Kopf, was ich mir wünschen sollte, wenn die berühmte Fee aus dem Märchen käme und mir genau das anbieten würde. Mir fiel so viel ein, dass ich wahrscheinlich nicht zum Wünschen kommen würde.
Auf alle Fälle wünsche ich mir eine “saubere” Landwirtschaft, ohne Gammelfleisch, ohne Antibiotika und Gift in den Lebensmitteln und ohne Tierquälereien jeder Art. Habt ihr schon mal was von Stopflebergänsen gehört? Oder Lebendrupf, weil da die Daunen besser sind? Bei uns ist so etwas verboten, aber die Stopfleber gilt als Delikatesse und solche Daunenbetten gibt es auch. Das ist einfach nur pervers. Als ich einen Bericht sah, kamen mir zuerst die Tränen und dann bekam ich Wut.
Ich wünsche mir, dass die Gier nach dem elenden Mammon aufhört, bei unseren Politikern und im Privaten auch. Vielleicht werden dann Prioritäten anders gesetzt, in der Bildung und in der Forschung z.B. Vielleicht gehören dann bestimmte Krankheiten der Vergangenheit an. Vielleicht geht man dann besser mit der Umwelt um. Vielleicht löst man die dringlichsten Probleme der Menschheit. Und vielleicht hört man dann wieder auf die Ökonomen, die Visionen haben.
Und dann wünsche ich mir noch Achtung im Umgang miteinander, egal ob das in der Familie ist, in der Schule, auf Ämtern … Man soll seine Meinung sagen dürfen, denn jeder Denkanstoß, jeder Hinweis, jede Idee ist es wert, dass man sie zumindest nicht gleich abschmettert. (Vielleicht würde meine Bürgermeisterin in Markranstädt dann etwas mehr auf die Meinungen ihrer Bürger hören.) Und vielleicht stellt man fest, dass man mit der eigenen Meinung doch nicht so alleine da steht, wie man immer dachte.
Spätestens jetzt würde es der Fee zuviel werden. Ich werde wohl selber an der Wunscherfüllung arbeiten müssen.
Also echt, was mir alles so durch den Kopf geht, beim Zeichen, und auch noch von Blümchen.
Ich verabschiede mich in das Wochenende. Nehmt von meinem Bildchen da oben ein bissel Farbe mit gegen weniger schöne Nachrichten, gegen Ängste, gegen schlechte Laune …
Continue reading “Wie komme ich bloß von Blümchen zu solchen Themen?”
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Manchmal, wenn Schmuddelwetter ist, ich mich geärgert habe oder einfach auch nur so, umkreise ich mein Bücherregal. Es ist dann fast so, als ob ich alte Bekannte besuche.
Ich habe schon immer viel gelesen und kannte mich gut aus in unserem altehrwürdigen Bücherschrank zu Hause. Nichts Schöneres gab es, mich abends mit meinen Büchern unter die Decke kuscheln zu können. Kaum hatte ich das Buch geöffnet, entstiegen ihm die Helden und nahmen mich mit in eine ganz eigene Welt. Kein Film kann das.
Elterliche Bücherschränke sind nicht unbe-
grenzt, und so wurde ich Kunde in unserer Bibliothek. Mir gefiel das gar nicht, dass die Bibliothek nur einmal in der Woche geöffnet hatte. So wurde es manchmal knapp mit dem Lesestoff. Eines Abends klingelte es bei uns. Vor der Tür stand unser Bibliothekar und drückte mir einen Stapel Bücher in die Hand. “Damit du über die Woche kommst”, sagte er. Als ich die Bücher zurück brachte fragte er, ob sie mir gefallen haben. “Ja”, war meine Antwort, “aber woher wissen sie, was ich gerne lesen möchte.” “Ich kenne dich eben”, meinte er lächelnd.
Gestern Abend also umkreiste ich mein Bücherregal. Die Novellen von Puschkin hatten es mir angetan. Die Zeichnung auf dem Bucheinband ist übrigens ein Selbstporträt von Alexander Sergejewitsch Puschkin.
Es dauerte nicht lange, da war ich mit Wladimir im Schneesturm unterwegs. Ich goß mir noch einen Tee ein und zog die Decke etwas höher.
Continue reading “Alexander Sergejewitsch, ein Schneesturm und ein Postmeister.”
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Heute Morgen hatte ich ein Schönwetterbild veröffentlicht, fotografiert bei herrlichstem Sonnenschein.
Manchmal möchte ich abends nochmal raus, einfach so, zum Abschalten. Ich trau mich nicht, alleine draußen herum zu turnen und Fotos von der Landschaft zu machen. Auch habe ich keine Lust – anders als der Jan – ein Stativ mitzuschleppen und fototechnische “Verrenkungen” zu veranstalten. Dazu ist meine Kamera nicht gut genug. Und ich bin es auch nicht.
Ich gebe also zu, mein Bildbearbeitungsprogramm bemüht zu haben.
Dabei habe ich gemerkt, dass ich eine Menge Nachholebedarf habe, dass es aber gar nicht so unangenehm war, in Photoshop zu experimentieren. So langsam söhne ich mich aus mit meinen Programmen. Morgen werde ich den Mond auf dem Dorfteich spiegeln lassen.
Meine große Liebe aber wird immer das Grafikiprogramm bleiben.

Continue reading “Tag und Nacht — eine Pausenspielerei.”
Posted in Räpitz, Übungen | Tagged Aussöhnung, Bastelei, Photoshop, Vollmond in Räpitz |

Kalt war es, aber die Luft war unglaublich klar. Manchmal ist es schön, das weite flache Land um Leipzig. Es gefällt mir sehr, wenn ich die Wolken beobachten kann, die sich rasch vor dem blauen Himmel bewegen. Caspar-David-Friedrich-Wolken sind das, sagt der Jan. Jeden Moment gibt das ein anderes Bild. Die Begriffe “Zeit” und “Veränderung” werden mir so richtig bewußt. Und verändern muss sich noch einiges.
Mir hat es gut getan, die Räpitzer Sonne zu genießen. Und beim Laufen fiel mir ein, dass ich schon immer mal was ausprobieren wollte in Photoshop. Und das mache ich jetzt.
Continue reading “Ab in die Sonne.”
Posted in Fotografie, Räpitz | Tagged Räpitz, Sonntagsspaziergang, Veränderung, Zeit |