Jeden Tag schnappte ich mir mein Fahrrad und fuhr zu den Hunden. Ich musste am Pferch vorbei. Meistens lagen die Schafe noch und ruhten sich aus. Die kleinen Lämmer waren auf den Rücken ihrer Mütter geklettert und hatten es sich in deren Wollpelz gemütlich gemacht. Ich bin immer ganz leise am Pferch vorbei, denn ich wollte ja nicht “die Schafe scheu machen”. Sollten sie sich mal noch ausruhen. Es ging eh‘ erst los, wenn ihr Schäfer kam.
Diesmal spürte ich schon von Weitem, dass irgendetwas nicht stimmte. Das Gras war zwar recht hoch, aber so ab und zu sah man sonst mal einen Schafskopf aus dem Gras ragen. Diesmal zeigte sich niemand und es blieb erstaunlich still, als ich mich näherte.
Und dann sah ich es: der Elektrozaun war an einer Seite niedergetrampelt. Der Pferch war leer. Keine Ziege und kein Schaf war zu sehen.
Ich beschloss, sie zu suchen, stieg wieder auf mein Rad und fuhr den Wald ab. Auf einer Lichtung wurde ich fündig. Ich hatte keine Ahnung, was nun zu tun war. „He!“, schrie ich die Tiere an. Gelangweilt sahen sie in meine Richtung, blieben aber liegen und kauten genüßlich wieder. „Heeeee“, schrie ich wieder, „kooooomt mit.“ Siehe da, die ersten standen auf und kamen auf mich zu. Ich schnappte mir mein Fahrrad und schrie weiter: „ Naaaa, kommt.“ So langsam setzte sich die Herde in Bewegung. Ich bemühte mich, nicht nach hinten zu schauen. Ich lief nur mit hochrotem Kopf vor der Herde her und schrie.
Auf dem Weg zum Pferch traf ich Spaziergänger. Erstaunt sahen sie mich an und fragten: „Sie haben wohl gar keine Hunde?“ Ich weiß nicht, was mich geritten hatte, jedenfalls antwortete ich:“ Nööö, aber ein Fahrrad.“ Und so kamen wir am Pferch an. Bis dahin hatte ich die Herde geführt, aber dann beschlossen die Tiere aus mir unerklärlichen Gründen nicht mehr weiter zu gehen. Ich bekam sie nicht eingepfercht, egal wie ich schrie oder was ich noch veranstaltete.
Ich holte Moritz. Er war ein starker Hund und konnte mühelos neben meinem Fahrrad her laufen. Bei den Schafen angekommen, sah mich Moritz erwartungsvoll an. Das Kommando! Ja, aber welches? „Moritz, mach doch mal was“, rief ich bettelnd. Abwechselnd schaute ich die Schafe an, dann Moritz, die Schafe… Und plötzlich war Moritz weg. Wahrscheinlich arbeitete er nicht mit solchen Dilettanten. Wie sich später herausstellte, war er einfach in seine Hütte gagangen.
Endlich kam der Schäfer.
Völlig entnervt polterte ich ihn an: „Das passiert mir nicht noch einmal. Ihr werdet mir das Hüten beibringen.“ Zu dem Zeitpunkt dachten alle noch, dass ich Witze mache.


Hallo Gudrun,
*schmunzel*, da hatte der Moritz wohl keine Lust, was?
Hast Du aber toll gemacht, so ohne Hund und nur mit Fahrrad
-und Du hast es auch total schön und anschaulich erzählt.
Liebe Grüße
Katinka
[Antwort]
@ Katinka
Naja, damals war mir das noch etwas peinlich. Später nicht mehr.
Der Moritz und ich, wir haben uns einfach nicht verstanden. Und da ist der einfach gegangen. Manno! Ich hätte die Viehchter ohne Hund nie in den Pferch bekommen.
Liebe Grüße, die Gudrun
[Antwort]
Liebe Gudrun, du bist eine Heldin!

Hat sich der Schäfer wenigstens ordentlich bedankt?
Deine Erzählungen sind genial, sag mal, diese Geschichten – das wären auch etwas für Kindergartenkinder. Ich kann mir richtig vorstellen, wie sie mit großen Augen auf der Wiese sitzen, vielleicht in der Nähe der Schafe und du ihnen erzählst. Machst du das manchmal?
Wäre ich noch Kindergärtnerin … usw. Ich schrieb so etwas ähnliches ja bereits einmal.
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Ich wünsche dir einen schönen Tag, danke für die Geschichte! Und das Foto!
Liebe Grüße
Heike
[Antwort]
Herzlichen Dank für deine gute und spannende Geschichte, liebe Gudrun!
So eine Herde ‘einzufangen’ ist mit Sicherheit unheimlich schwer…
Klasse hast du das gemacht – doch dass Moritz nicht geholfen hat, finde ich unfair. Ich dacht immer, dass ein Hütehund selbstständig arbeitet und sich nicht einfach faul in seine Hütte legt.
Liebe Grüße
Bärbel
[Antwort]
@ Heike
Nöö, bedankt hat sich keiner, liebe Heike. Wahrscheinlich passiert das öfter, dass die mal ausbüchsen.
Ja, im Kindergarten habe ich schon mal erzählt.Das Lamm Paula kennt nun wahrscheinlich jeder, aber auch den Moritz und die Asta.
Liebe Grüße und einen guten Tag für dich
[Antwort]
@ Bärbel
Liebe Bärbel,
die Herde bis zum Pferch zu bekommen war tatsächlich nicht schwer. Die sind mir einfach hinterher getrabt, oder meinem Gebrüll. Aber in den Pferch brachte ich sie nicht. Ich konnte machen, was ich wollte. Zum Glück kam ja der Schäfer.
Hab’ einen guten Tag, liebe Bärbel
[Antwort]
Weißt du was, liebe Grudrun, ich bewundere dich
Toll dass du das geschafft hast. Ich wäre wahrscheinlich nach Hause geradelt und hätte den Schäfer gesucht. Danke für die schöne Geschichte.
LG Ute
[Antwort]
@ Ute
Ach, ich war schon immer Schaf- und Ziegenfan, und nun hatte ich sie plötzlich auf dem Hals. Wenn ich junger wäre, liebe Ute, würde ich mir eine eigene kleine Herde aufbauen.
Liebe Grüße und einen erholsamen Abend.
[Antwort]
*gröööhl* … wo bleibt nur die Fortsetzung *mitdenhufenscharr*
[Antwort]
@ Frau Fröhlich
…also, mit den Vorderbeinen scharren und stampfen können die Schafe auch hervorragend. Dann sollte man aber immer etwas vorsichtig sein
Liebste Grüße an dich, liebe Frauke
[Antwort]