Immer wenn ich zu den Schafen und zu den Hütehunden wollte, musste ich das Rad eine kleine Anhöhe hinaufschieben. Um den Wald vor wildgewordenen Autofahrern zu schützen, hatte man Betonteile aufgeschichtet und nur einen schmalen Durchschlupf frei gelassen.
Wenn ich die Schafe dort durchtrieb, mich auf das Betonteil stellte, müsste ich in aller Ruhe und Gemütlichkeit die Schäfchen zählen können. Das dachte ich mir so. Unterhalb meiner Schaf-zählstelle war eine herrliche grüne Wiese. Die Brennnesseln blühten, und ich wusste, dass das ein Leckerbissen für meine Wollknäule war.
Es war mein zweiter Hütetag. Die Schafe fraßen sich in aller Ruhe die Lichtung vor. Wir kamen der Schafzählstelle immer näher. Asta und Moritz wichen mir nicht von der Seite. Langsam gingen wir einfach mit der Herde mit. Nichts gab es zu beanstanden, die Hunde mussten nicht eingreifen. Es war ein herrlicher Tag. Die Sonne schien, es war angenehm warm und außer dem gleichmäßigen „Ratschen“, mit dem die Schafe das Gras mit ihren scharfen Zähnen abschnitten, war nichts zu hören. Ich hatte das dringende Bedürfnis, mich an einen Baum zu setzen, den Hut in die Stirn zu ziehen und ein Nickerchen zu machen. Das wagte ich mir natürlich nicht, denn ich musste mit Argusaugen die Schafe beobachten.
Noch einen Weg überqueren, dann mussten wir den Hang hinab durch die Schafzählstelle.
Ich brachte mich ganz langsam an die Spitze der Herde, und war mächtig stolz, dass ich so ein toller Stratege der Schafweide war. Ich stieß meinen Lockruf aus und lief den Hang hinunter. Die Schafe bewegten sich auch erst einmal in meine Richtung. Das hatte ich noch gesehen.
Längst war ich an meinem Betonklotz angekommen, aber so sehr ich auch rief, kein Schaf kam. Das „Mäh“ der Schafe wurde immer leiser. „Oh, Gott“, dachte ich so bei mir, „die wandern wo ganz anders hin“.
Ich schickte Asta und Moritz los, die Schafe zu holen und nach dem langweiligen “Spazierengehen mit Gudrun”, setzten die sich auch sofort in Bewegung. Ich hörte es noch zwei-, dreimal Bellen und dann nur noch Getrappel. Die ganze Herde donnerte in Dreier- und Viererreihen auf die Schafzählstelle zu. Mit kühnen Sprüngen setzten sie darüber hinweg. Nichts war mit Zählen! Innerhalb von wenigen Minuten war wieder Ruhe.
Die Hunde kamen, setzten sich vor mich hin und wedelten mit den Schwänzen. Haben wir das nicht toll gemacht, sollte das wohl heißen. Ich fing an zu schimpfen: „Na toll, Asta, was war das denn? Ihr seid wohl jeck, die Schafe so zu hetzen?“ Asta drehte sich um und ging einfach. Moritz folgte ihr.
Plötzlich bellten die beiden wieder. Ich zuckte zusammen. Die werden doch wohl nicht…? Getrappel. Und schon donnerte die Herde wieder an mir vorbei, diesmal den Hang hinauf. Und wieder stand ich alleine da. „Gut“, hatte sich Asta wahrscheinlich gedacht, „dir passt das nicht. Dann eben alles wieder zurück!“
An diesem Tag war mir nicht mehr nach Schafe zählen oder Brennnesseln fressen lassen. Hoffentlich hatte keiner meinen Schafdauerlauf gesehen.


Oh je…. und das, wo Schafe so schreckhaft sind
Aber zum Glück habt Ihr alle das gut überstanden. Vermutlich brauchst Du heute keine Schafe zählen, um schlafen zu können
[Antwort]
Ich konnte mir den Schafdauerlauf sehr gut vorstellen *g
Liebe Gudrun, ich wünsche dir einen wundervollen Tag und schöne Erlebnisse!
Emily
[Antwort]
@ Frau Momo
Wenn ich heute anfange Schafe zu zählen bin ich putzmunter. Das sind noch Nachwehen von damals.
Liebe Grüße, die Gudrun
[Antwort]
@ Emily
Liebe Emily,
das war mir ursrpeinlich, oder hast du schon mal einen Schäfer gesehen, den die Schafe fast über den Haufen rennen?
Ich wünsch dir einen schönen Tag.
[Antwort]
Guten Morgen liebe Gudrun,
oh je, den Schreck kann ich mir gut vorstellen. Da war es dann ganz schnell vorbei, mit dem Nickerchen auf der Wiese.
Gut, dass ihr die Situation retten konntet und nichts passierte. Überhaupt soll auch noch mal jemand sagen: “Dumm wie ein Schaf!” Ich persönlich finde, die haben sich ziemlich klug verhalten. Hatten halt keine Lust aufs Zählen.

Ich wünsche dir einen schönen Tag,
liebe Grüße
Heike.
[Antwort]
@ Heike
Ach, liebe Heike, an dem Tag konnte ich nichts retten. Ich habe einfach so getan, als wenn das alles so sein muss.
Die kleinen “dummen” Schäfchen haben mich noch oft geschafft! Und wenn man es dann noch mit den Hundis versch…, dann ist man in ganz großen Nöten. Das schult ungemein.
Liebe Grüße an dich.
[Antwort]
Das war bestimmt ein sehr aufregender Tag für dich, liebe Gudrun.
Die lieben Tiere haben halt auch ihren eigenen Kopf…
Ich wünsche dir einen schönen Dienstag
Gruß
Bärbel
[Antwort]
@ Bärbel
Oh ja, liebe Bärbel, das habe ich noch öfter zu spüren bekommen. Ich wurde zwar im Laufe der Zeit immer ausgewiefter, die Schäfchen aber auch!
Liebe Grüße und einen schönen Tag.
[Antwort]
Gudrun, bist du Schäferin?
Das finde ich ja toll…..
Liebe Grüße Sweetkoffie
[Antwort]
Liebe Sweetkoffie,
na sagen wir ich war Hilfschäfer für eine gewisse Zeit. Ich war dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Das hat mir aber gezeigt, dass man eine ganze Menge lernen und machen kann, und auch noch so unterschiedliche Dinge.
Wenn mir das einer in meiner Jugend vorausgesagt hätte, wäre wahrscheinlich ganz schnell mein Zeigefinger an die Stirn gewandert
Liebe Grüße und einen einigermaßen freundlichen Tag.
[Antwort]
Weißt du was, die Hunde hatten Recht

Haben sie sich doch sooo viel Mühe gegeben, die Schäfchen herzuholen.Die dachten sich “wer nicht will, der hat gehabt”. Sorry, liebe Gudrun, dir war sicher anders zumute, aber ich musste nun doch richtig schmunzeln.
LG Ute
[Antwort]
*gacker* … den Menschen kann man es aber auch nie recht machen.
Ich sehe dich bildlich da oben auf dem Ding stehen und staunen
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@ Ute
Heute sehe ich das genauso, liebe Ute. Damals aber dachte ich: “Ihr kleinen Mistviechter,…” Bloß gut, dass ich mein eigenes Gesicht nicht gesehen habe.
Liebe Grüße und einen schönen Abend.
[Antwort]
@ Frau Fröhlich
Komisch geschaut habe ich schon. Das kannste mir glauben. Irgendwie stand ich da wie Max in der Sonne.
Liebe Grüße an dich, liebe Frauke.
[Antwort]
Ein bisschen schmunzeln musste ich aber doch
Obwohl ich mir Deinen Schrecken gut vorstellen kann – aber es ist ja zum Glück alles gut gegangen.
[Antwort]
@ Katinka
Damals habe ich mich erstmal verschämt umgeschaut, ob auch keiner gesehen hat, wie die Tierchen mit mir spielten.
Liebe Grüße, die Gudrun
[Antwort]