Gemaßregelt habe ich gestern niemanden, aber auf’s Dach gestiegen bin ich schon. Bis ganz hoch. Durch ein winziges Fensterchen musste ich mich zwängen, nur um Leipzig von hier oben zu sehen und zu fotografieren. Mit so einem Ausblick könnte ich mich anfreunden.
Jemandem auf’s Dach steigen – dieser Ausdruck kommt aus dem Mittelalter und ist eine richtige Geschichte für das Spinnstübchen.
Die eigenen vier Wände waren auch im Mittelalter unantastbar. Wenn sich jemand vor Gericht zu verantworten hatte, sich aber in seine Hütte verkroch, dann durften die Büttel nicht einfach in seine Behausung eindringen und ihn holen. Unter seinem Dach war er geschützt.
Was aber, wenn es kein Dach gibt? Ahnt ihr schon was? Man stieg dem Delinquent einfach auf das Dach und baute es ab.
Das wusste die Angermaria aus meinem Heimatort wahrscheinlich. Ihre Geschichte hatte der ganz erboste Dorfpfarrer ins Kirchenbuch geschrieben.
Maria war ein uneheliches Kind. Eigentlich hatte sie nie eine richtige Chance, hangelte sich eben so durch das Leben. Man hatte sie eines unzüchtigen Lebenswandels bezichtigt. Dafür sollte sie in Zeitz an den Pranger gestellt werden. Maria sollte sich auf dem Marktplatz einfinden, um ihre Strafe zu erhalten. Sie dachte aber gar nicht daran. Zeitz war 15 km entfernt, und am Pranger stehen ist auch nicht so toll. Eines Tages tauchten die Landsknechte auf, um sie abzuholen. Maria ging auch mit ihnen, aber nur bis hinter das Dorf. Dort erzählte sie den Knechten, so ganz im Vertrauen, dass sie die Pest habe. Kurze Zeit später sie wieder Daheim. So sehr sich der Dorfpfarrer auch bemühte, die Maria wollte keiner wieder abholen.
Nachtrag: Ich habe das Dach auf dem Leipziger Wohnhaus drauf gelassen!

liebe gudrun,
deine moderne fassung gefällt mir sehr gut. du weißt ja, daß ich mich sehr für etymologie, redewendungen und sprachen allgemein interessiere. diese geschichte kannte ich noch nicht. wiewohl heute das wort mexikogrippe reicht, um sämtliche behörden und regierungen zu alarmieren… und die unantastbarkeit der wohnung besteht juristisch auch nicht mehr. heute reicht ein verdachtsmoment für eine durchsuchung (ist einem bekannten von mir passiert, der auch noch unschuldig war!). privatsphäre ist irgendwie in meiner erinnerung anders.
gut, daß es jetzt dort nicht reinregnen kann
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ich wünsch dir eine gute nacht!
liebgruß,
frau w.
[Antwort]
Damals in meiner Jugend gab es ein Buch “Das geflügelte Wort”. Was hab ich das geliebt! Ich hatte es einmal verborgt, und nie wiedergesehen. Leider.
Na ja, Privatspäre! Also du verlangst aber auch Sachen. Dabei geht es doch aber nur um deine Sicherheit. Wenn es nach Herrn Schäuble und Co. gänge…
Ich bin heute spät dran, morgen muss ich wieder ins Reformhaus.
Ich wünsch dir auch eine gute Nacht!
Liebe Grüße, die Gudrun
[Antwort]
Es hat sich jedenfalls gelohnt. Ein toller Blick! Ich war noch nie in Leipzig. Aber da würde ich gerne mal hin.
[Antwort]
Naja, so viel sieht man nicht, weil im Hintergrund ein Wäldchen beginnt, der Auenwald. Wenn du mal in der Nähe bist, dann sag mal Bescheid. Und dann kommste halt mal nach Leipzig.
Liebe Grüße an die ganze Momo-Bande.
[Antwort]
Das ist doch eine schöne Aussicht!
Schön, dass der Herr Dorfpfarrer diese interessante Geschichte ins Kirchenbuch geschrieben hat…
Liebe Grüße
Bärbel
[Antwort]
Der Dorfpfarrer war immer sehr geschwätzig. Zum Glück, liebe Bärbel.
Ich wünsch dir einen schönen Tag.
[Antwort]
Liebe Gudrun,
den Ausdruck “auf das Dach steigen”, kenne ich noch aus meiner Zeit, als ich in Schlesien gelebt habe. Jedoch habe ich nie eine so schöne Erklärung dazu bekommen, wie die von Dir dazu.
LG über den Teich KH.
[Antwort]
Lieber Karl-Heinz,
dass du dir ausgerechnet diesen Ausspruch gemerkt hast! Also das erstaunt und fasziniert mich.
Liebe Grüße an dich und Ruth
[Antwort]
Danke für die gute Erklärung, liebe Gudrun. Jetzt weiß ich wenigstens was ich tue, wenn ich jemandem aufs Dach steige
Hat sich bei dir gelohnt, das ist ein schöner Blick über die Dächer.
LG Ute
[Antwort]
Jaja, so langsam werde ich kühn. Und das in meinem Alter
Liebe Grüße an dich.
[Antwort]
Das ist wirklich eine schöner Ausblick!
Obwohl der Blick auf Felder und Wiesen auch schön ist….;-)
Dein Text war sehr interessant zu lesen, danke für die Infos
[Antwort]
Ich denke, ich brauche meine Felder und Wiesen sehr, und Leipzig ist ja nicht weit weg.
Liebe Grüße an dich, liebe Katinka.
[Antwort]