Auf diesem alten Stuhl habe ich vor Tagen gesessen.
Die Sonne schien, es roch nach Laub und Erde und auf den Bäumen des nahen Auenwaldes machten sich die Krähen lautstark bemerkbar. Es war eine herrliche Ruhe, eine, in der man wunderbar nachdenken kann.Ich muss mich manchmal wirklich zur Ordnung rufen, weil ich mich maßlos über Dinge aufregen kann, die ich doch nicht ändern kann. Manches aber kann man mitbestimmen, laut aussprechen, nicht stillschweigend dulden. Darüber habe ich nachgedacht auf meinem Stuhl.
Es stinkt mich unglaublich an, dass die Jungs und Mädels von „Kaspersky“ schon wieder einen neuen Bundestrojener gefunden haben. Irgendwer muss ja eine Scheißangst haben. Nein, nicht vor Terrorismus, sondern vor denkenden, kommunizierenden Bürgern! Da wird zuerst das Internet schlecht geredet, Ängste geschürt vor der Macht der bösen Computer, Förderprogramme zum Netzausbau auf dem Lande recht halbherzig vorangetrieben, und weil man es doch nicht verhindern kann, die Vernetzung, hinterläßt man schnell noch die Spione auf den Rechnern.
Ich bekomme Wut, wenn Milliarden über Milliarden verzockt werden zur Bankenrettung, nicht um Krisen abzuwenden in Griechenland und anderswo, sondern, um die Geldsäcke noch reicher zu machen, die der Politik schon lange diktieren, was getan und was unterlassen werden muss. (Man kann auch auf „Verlust“ spekulieren. Und ein überstürzter Atomausstieg z.B. bietet die Möglichkeit einer Klage in Milliardenhöhe.) Was wurde hier zu Lande alles getan, um eine Krise abzuwenden: Abwrackprämie und Konjunkturpakete sind nur ein Tröpfchen auf dem heißen Stein. Alles wurde gemacht, um die Krise zu verhindern oder abzuschwächen, nur nicht gespart. Das funktioniet nämlich nie, zumindest nicht in der bestehenden Geldwirtschaft. Oh nein, das ist jetzt kein Revoluzzertum, dass sind einfache wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse, die an jeder Uni zu hören sind. Das heißt, wenn man zuhört.
(So, das musste mal gesagt werden. Und es hört eben nicht nur der Ober-Bundestrojaner.)
Der Stuhl hat es mir angetan. Und deshalb wird er von mir im nächsten Frühjahr entrostet und bekommt einen neuen, freundlichen Anstrich. Ich glaube, in dem angrenzenden Schuppen stehen noch mehr.
Schön, dass Du auf dem Stuhl gesessen hast, denn ich habe für mich das Gefühl, gerade zwischen den Stühlen zu sitzen. Zwischen den Stühlen “Kissen-über-den-Kopf/Kopf-in-den-Sand/was-kann-ich-schon-tun” und dem Stuhl “raus-auf-die-straße/man-muss-doch-was-machen-können-müssen”.
Eines der Bücher, die ich gerade lese, ist das von Frau Momo empfohlene “Lenin kam nur bis Lüdenscheid” von Precht. Ich sehne mich nach dieser Zeit zurück! Wie schreibt er in seiner Einleitung so schön: “…schließe die Augen dabei und höre den vertrauten Klang einer Kindheit und einer Jugend in Erwartung einer Gesellschaft, die in meinem Kopf schon blühte, in Wirklichkeit dagegen nur kurz als Keimblatt sichtbar durch den Asphalt brach.” Heute sehe ich nicht mal das Keimblatt.
Nimm den Stuhl, entroste ihn, gib ihm eine freundliche Farbe. Sollte ein zweiter da sein, mach es auch mit ihm. Dann besuche ich Dich im nächsten Sommer und wir suchen uns gemeinsam diese Idylle, so lange es sie noch gibt.
Herzliche Grüße von Elvira
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Liebe Elvira, vor ganz vielen Jahren war ich gestartet mit ganz vielen Idealen. Ich war jung, machte Abi, ging in den 70ern an die Uni Leipzig studieren (eine hoffnungsvolle Zeit) und war wissbegierig, ungeduldig und glücklich. Es geht nicht, dass alles vor die Hunde geht.
Über einen Besuch würde ich mich freuen, kannste glauben. Und bis dahin bekommt der Stuhl Farbe.
Ich drück dich jetzt mal, so virtuell und irgendwann vielleicht mal richtig.
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Und das nennt sich nun ein Schafwollblog. Ganz schön aufmüpfig, die Schäferin
Aber du hast Recht, liebe Gudrun. Man kann sich jeden Tag aufregen, aber man kann nichts machen. Wir waren ja hier in den Blogs schon mal zu der Erkenntnis gekommen, dass wir nur im ganz Kleinen, bei sich selbst, in seiner Umwelt, was tun kann.
So ganz allmählich scheint sich aber doch ein Protest zu formieren und wenn die Lage schlechter wird, werden es mehr werden. Heute habe ich einen Artikel gelesen, dass es in naher Zukunft einen ‘Schnitt’ geben wird. Wie das genau aussehen wird, weiß natürlich keiner. Es könnte z.B. eine Währungsreform sein. Ich wette, unsere ‘liebe Regierung’ hat schon Pläne in der Schublade. Es war auch von Umverteilung die Rede, von oben nach unten. Ich will beileibe den Reichen nicht alles abnehmen, aber es ist derartig ungerecht verteilt, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Das muss ein Ende haben. Und ich bin gespannt (und auch ein bisschen besorgt), wie es weiter geht.
Jetzt werde ich sicher auch unter Beobachtung gestellt, hihi
)
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Jaja, der Schafstall ist bestimmt auch registriert.
Nee, Spaß bei Seite. Ich habe lange überlegt, ob ich meine Sorgen und Gedanken so veröffentliche, liebe April. Aber vom Schweigen wird mir auch nicht wohler. Geschwiegen habe ich viel zu lange. Ich tue niemand was, will niemand was wegnehmen. Aber ich denke nach, wie man sich wirklich einbringen kann in die Gesellschaft.
Liebe Grüße an dich, liebe April
)
(… und die Schäfer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
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Hab´ jetzt nur das Bild betrachtet, den Text lese ich morgen
Ein total schönes Stilbild – Der Stuhl hat sicher schon viel erlebt und sollte noch viel erleben.
Einen ganz lieben Gruß an Dich – und Danke.
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Gudrun, da ich ja heute zweimal ausgiebig in der Nikolaikirche weilte, kamen mir auch viele Gedanken an damals, als einige vom Volk aufbegehrten. Zeit wird es wieder, aber dieses Mal muss etwas anderes elöst werden .
Der Stuhl lohnt eine Restaurierung! Bestimmt!
Clara
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Ich werde auf alle Fälle dort zu finden sein, weil ich nicht möchte, dass es heißt, es seien nur jugendliche Spinner.
Liebe Grüße an dich, liebe Clara
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Es war der Chaos Computer Club, die den Bundestrojaner enttarnt haben, aber das nur nebenbei. Mich entsetzt das auch.
Ich sehe es allerdings nicht so, das man nichts machen kann. Wir können sicherlich nicht morgen die Welt retten, aber ich denke, man kann schon was tun. Im Kleinen und ich halte mich immer an den Spruch, wenn viele kleine Menschen viele kleine Schritte tun……..
Ich habe schon vor einem Jahr die Bank gewechselt, ich versuche mich an Protesten zu beteiligen. Nein, ich mag für mich nicht sagen, man kann nichts tun. Auch die Menschen, die gerade in Hamburg so tapfer in der Kälte mitten in der Innenstadt campieren, können was bewirken. Und sei es “nur” Bewußtsein zu schaffen, Menschen anzusprechen, wachzurütteln.
Ich werde weiter versuchen, im Rahmen meiner kleinen Möglichkeiten etwas zu tun, und sei es nur, um es wenigstens versucht zu haben.
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Nein, liebe Frau Momo, da gibt es schon wieder etwas Aktuelleres! Nur mal so Nebenbei.
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Echt
Man kommt ja gar nicht mehr hinterher. Ist ja eigentlich auch egal, wer´s gefunden hat. Wobei ich was gegen Kapersky als Programm habe, gegen den CCC nicht.
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Der Neue schaltet auch Virenschutz-Software aus. Und deshalb hat das die Hersteller einer solchen auf den Plan gerufen.
Liebe Grüße