Vor vielen Jahren, als meine Kinder noch klein waren, habe ich schon einmal in Leipzig-Grünau gewohnt. Als wir hinzogen, war am Nachbarhaus der Baukran noch in Aktion.
In ganz Leipzig nannte man das Viertel “Schlammhausen”, denn seine Bewohner erkannte man an den eleganten Gummistiefeln, die verschämt gewechselt wurden auf Arbeit.
Auch in Schlammhausen mussten die Fenster geputzt werden. Ich war gerade an meinem Fenster hochgeklettert, als ein kleiner Junge durch den Durchgang am Haus gerannt kam. Fast hatte er den nächsten Bauplattenweg erreicht, da blieb er im zähen Morast stecken. Der Schwung trieb ihn weiter. In Socken!
Der kleine Junge patschte durch den Schlamm zurück zu seinen Stiefeln, überlegte kurz, und stieg mit einer A…ruhe wieder in seine Stiefel. So sehr er sich auch mühte, der Morast wollte die Stiefel nicht so einfach wieder frei geben. Also stieg der Kleine wieder in den Morast und zog und zog mit den Händen an seinen Stiefeln. Plopp! Die Stiefel waren heraus und der Junge landete auf dem Po im Schlamm. In aller Ruhe blieb er sitzen, zog seine gelben Stiefel wieder an und setzte seinen Weg durch den Schlamm fort.
Der kleine Junge war Meiner.
Und weil bei meinen Kindern die Gummistiefel jeden Tag innen wie außen voller Schlamm und Morast waren, schenkten mir meine Kollegen alle abgelegten Stiefel ihrer Kinder, damit ich nur genug davon hatte.
Der Jan fand diese Jahre in Schlammhausen toll.

Liebe Gudrun
was für eine herrlich geschilderte – und bebilderte
– Erinnerung von dir. Ich glaub, so eine Seelenruhe können echt nur Kinder drauf haben. Als Erwachsener würde man sich vermutlich aufregen .. aber Jan ist cool geblieben, was eh das Beste ist. Hihi, also Schlamm und Pfützen und all das mochte ich als Kind auch gern. War eh viel draussen, und mit dem typischen Mädchenspielzeug konnte ich nichts anfangen ..
Ich schick dir ganz liebe Grüße zum Wochenende,
W.
[Antwort]
Stimmt, der Jan blieb ganz ruhig. Aber mich hättest du mal sehen und hören müssen, oben am Fenster.
Liebe Wellentaucherin, ich wünsche dir einen guten Start ins Wochenende.
[Antwort]
Clever war er, dein Jan. Herrlich hast du das erzählt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Mama nicht ganz so ruhig geblieben ist. Für Kinder allerdings muss Schlammhausen ein Paradies gewesen sein.
[Antwort]
Das war auch für sie ein Paradies, liebe Ute.Das Thema hatten wir erst wieder als meine große Tochter zu Besuch war. Nur meine Nachbarn damals sagten immer: “Die arme Frau … “, wenn sie meine Kinder sahen.
(Manchmal habe ich die Kinderchen in der Wanne abgeduscht, damit ich den Reißverschluss vom Anorak fand.)
[Antwort]
Liebe Gudrun,
Diese beschriebene Szene kann ich mir so richtig bildlich vorstellen. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich die Fotoausstellung dazu in Leipzig gesehen. Alles Schwarz-Weiss Aufnahmen und in Großformat. Sehr ergreifende Foto-Geschichte. Kennst Du sie?
LG von Mia
[Antwort]
Ich weiß nicht. Ich habe eine gesehen von Siegfried Wittenburg “Grüße aus der DDR”. Und bald gehe ich in das stadtgeschichtliche Museum zu “Malimo & Co. Mode in der DDR zwischen Traum und Wirklichkeit”. Es ist ein Stück meines Lebens, welches ich da wiederfinden kann.
Einen lieben Gruß zu dir unter deinen “Schreib-Baum”
[Antwort]
Es war eine Ausstellung im Digedag-Museum. Im Flur separat aufgestellte Bildwände. Ich weiss nicht ob die Ausstellung noch dort ist.
[Antwort]
Das war im Zeitgeschichtlichem Forum, gell.
Die Digedags sind da nicht mehr. Leider.
Hach Gudrun,
das war damals™ in wohl allen Neubaugebieten so – von Haneu wurde und wird mir, der ich hier nicht aufwuchs, immer wieder ähnliches berichtet. Allerdings noch nie so plastisch, nacherlebbar und mitfühlbar wie hier von Dir.
Wenn Du magst, können wir uns am 15. mal auf ein Bier treffen – ich bin bis 17 Uhr in einer “Jugendherberge International” zu einem Workshop in der großen Großstadt … (Vielleicht auch noch andere Leipziger BloggerInnen?)
[Antwort]
Ist das in der Löbauer Straße? Na, egal, klar können wir noch ein Bier trinken gehen, ehe du wieder nach Halle saust. Ich mache mal ein ganz fettes Kreuz an den Kalender.
[Antwort]
Wo das ist, weiß ich noch nicht
Aber Montag oder Dienstag sollte ich es wissen.
Bin grad am gübeln, ob ich nach Couch-Surfing frag …
Übrigens: Ich mag ja die Gose, die es direkt an der Thomaskirche gab /gibt, aber vielleicht hast Du noch eine bessere Idee?
[Antwort]
Na klar, das wäre eine Idee.
Plan’s mal. (Bei den Örtlichkeiten kenne ich mich nicht mehr aus, werde den jan fragen, oder die Inch.)
…so schön wie du das beschrieben hast, liebe Gudrun,
ist das ganze wie ein Film vor mir abgelaufen…köstlich…und die Gudrun wedelt vom Fenster mit dem Leder…
wünsch dir noch einen schöne Freitag,
lieber Gruß von Birgitt
ps…heut oder morgen räum ich mal im Keller und dann schick ich dir eine Mail, ich habe den Webrahmen nicht vergessen…
[Antwort]
Ich sage dir! Ich habe wirklich gewedelt, geklopft, gerufen. Der Jan hat nichts gehört und ich konnte nicht verhindern, dass er voller Pampe wieder in die Stiefel kroch.
Liebe Grüße an dich
(und danke, dass ich den Webrahmen ausprobieren darf. Ich freue mich schon riesig darauf.)
[Antwort]
Das glaube ich gerne und musste herzlich lachen. Kinder haben eine andere Einstellung zu Schlamm und Pfützen u.ä. Was du da erzählst, klingt wie eine Filmszene.
LG, April
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Liebe Grüße
[Antwort]
ich musste jetzt herzlich lachen. so toll wie du das jetzt erzaehlt hast, konnte ich mir das so richtig gut und lebhaft vorstellen.
sonnige wochenendgruesse
Sammy
[Antwort]
Erstaunlich ist, dass meine Kinder das auch nie vergessen haben, liebe Sammy.
Ich glaube, wir werden am Wochenende gut Sonne haben. Ein Glück.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
Ich mußte auch lachen, auch wenn Du als Mama vermutlich weniger gelacht hast. Das ist Kindheit pur, oder?
[Antwort]
Du, ich war dann schon abgehärtet. Als mein Sohn mal vor mir her die Treppe hoch schlich, verbreitete er einen – sagen wir mal – strengen Geruch. Er war in eine Grube gefallen auf der vorher noch das Bauarbeiterklo stand. Manno! Meine Waschmaschinen mussten immer Schwerstarbeit leisten.
[Antwort]
Eine herrliche Geschichte, so gut erzählt, liebe Gudrun!
Ich danke dir und wünsche dir ein wundervolles Wochenende!
[Antwort]
[Antwort]
Liebe Gudrun,
was für eine tolle Geschichte. Und du hast ihm dabei zugeschaut. Tat dir nicht das Herz ein wenig weh? Wie er sich abmühte?
Dir ein gutes Wochenende
deine Bärbel
[Antwort]
Ach, liebe Bärbel, er hatte die wenigsten Probleme.
Nur ich hatte mir einige Haare herausgerauft.
Liebe Wochenendgrüße an dich
[Antwort]
Liebe Gudrun, im Mai war ich in einer Ausstellung in der Grimmaschen Straße. Da gabs Schwarz-weiß-Fotos von Grünau aus genau der Zeit! Meine Leipziger Freundin sagte nur: Ja, genau so wars. Wegen der Rettung der Gummistiefel spielte vielleicht auch der Gedanke eine Rolle, wann es wo neue Stiefel geben würde? Braver Junge
). Liebe Grüsse von Margarethe
[Antwort]
Irgendwie war es aber auch schön, wenn wiedermal ein Problem gelöst wurde.
Ich weiß nicht, ob ich heute Kollegen nach den Stiefeln fragen würde und auch nicht, ob ich einfach so welche erhalten hätte. In Leipzig waren die zu dieser Zeit wirklich knapp.(Solche Stiefelgeschichten hätte ich noch so einige auf Lager.
)
Liebe Grüße an dich
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Dein Header erinnert mich an das, was wir auf der Hin- und Rückfahrt überall gesehen haben: Windräder, aber ohne Regenbogen, nur mit Regen.
Heute habe ich Anna für das Wochenende zu ihrer Mutter in die Klinik gebracht. Da ging es vorher auch um Gummistiefel – sie wollte welche, ich bekam sie nicht mehr in das kleine Köfferchen und behauptete, es sei kein Regen angesagt. Als es dann aber schon in Berlin Strippen regnete, nahm ich was anderes raus und schwupp waren ihre Schlammstiefel drin.
Grüße zu dir!
[Antwort]
Siehste, das ist ein ganz wichtiges Utensil für die Kinders.
Einen lieben Gruß aus Leipzsch, gell.
[Antwort]
Herrliche Geschichte über eine unbefangene Kinderzeit. Uns Erwachsenen geht mit unserer Vernunft und unserem Ordnungssinn eine ganze Menge verloren – glaube ich.
[Antwort]
Das denke ich auch. Die einzige, die schrecklich aufgeregt war, war eben nur ich.
[Antwort]
So aufregend ist das Muttersein halt eben.
Als wir letzt bei den sintflutartigen Regenfällen die Dampfmaschinen/Trecker bewunderten (Du weißt bestimmt welche ich meine!?), lief ein ganz kleines, vielleicht 2-jähriges Mädel – gut gerüstet mit allem Regenzeugs, das es gibt – freudestrahlend von einem matschigen Bachlauf zum anderen. Sie hatte an diesem Tag ganz sicher das größte Vergnügen. So wenig braucht es manchmal, um glücklich zu sein … dachte ich so bei mir.
[Antwort]
Eine lustige Erinnerung! Vielleicht hätte man die Stiefel auch in die Waschmaschine stecken können. Mit den Turnschuhen hab ich das gemacht früher, die wurden richtig sauber. Durfte natürlich nur kein echtes Leder sein.
[Antwort]