Manchmal setzt man sich so unter Druck, dass man gar nicht merkt, wie man sich selber Fußfesseln anlegt. Mias Buch kam gerade richtig. Und während ich noch von dem Hundertjährigen las, der zu seinem Geburtstag keinen Bock auf Feierlichkeiten hatte, aus dem Fenster stieg und …, spürte ich, wie die eigene Fußfessel drückte. Ich machte mich also auf in den Leipziger Garten, in dem ich manchmal zu Besuch bin. Einfach so.
Als ich mein Rad durch die Gartenanlage schob, sah ich in einem der Gärten Wolle auf der Leine flattern. Wolle! Richtige Wolle vom Schaf!
Das interessierte mich und so musste ich ein Schwätzchen machen über den Gartenzaun. Die Gartenbesitzerin erzählte von ihrer Mutter, die mit der Handspindel Wolle verspinnt und vor jedem Winter die gesamte Familie mit Schafwollsocken versorgt. Die Mutter ist hoch in die Achzig, also hat sie es übernommen, die Wolle zu waschen. Eins hat die Großmutter aber gemacht: Sie hat allen Töchtern und Enkeln das Spinnen beigebracht und das Sockenstricken.
“Wollen Sie etwas haben von der Wolle? Ich fülle Ihnen gerne etwas ab aus dem Sack.” Tja, und so kam ich zu Wolle, so wie sie vom Schaf kam, mit dem typischen Geruch und allem, was das Schäfchen in seinem Stall so eingesammelt hatte an Streu und Futter.
In dem Garten fand sich eine uralte verbeulte Wanne. Brunnewasser gab es auch und schon war die Wolle eingeweicht. Nach ganz kurzer Zeit sah man, wie schön weiß die Wolle wurde. Nach einem Wasserwechsel habe ich die Wolle schließlich gewaschen. Zimperlich muss man nicht sein, denn die Wolle verträgt schon einiges. Meine Hände rochen zwar nach Schaf, aber die Haut fühlte sich toll an. (Der Schafgeruch vergeht ganz schnell wieder.)
Es war herrlich: Die Sonne schien, es war warm und ich konne in der Wanne nach Herzenslust “manschen”. Als die Wolle lustig im Wind auf der Leine flatterte, war ich rundum zufrieden.
Vor einiger Zeit fragte mich der Tierpfleger in meinem Lieblingsfreizeitpark, ob ich die Wolle vom Schafbock Rudi haben will. Damals wollte ich nicht. Jetzt will ich. Ich will sie waschen, mit Kräutern färben, spinnen. Und das Kind aus dem Nachbargarten bekommt sein Schafwollkissen. Das ist schon versprochen, wird aber eine ganz andere Geschichte. Schwätzchen über den Gartenzaun können so gut tun.




Ich verspinne die Wolle ja immer ungewaschen und wasche sie erst, wenn ich sie in Lagen habe. Ich finde, fettige Wolle verspinnt sich besser.
Apropos Katzennetz:Wir wollten nach einem Netz mal im Baumarkt gucken…. da gibt es ja auch sog. Baunetze und die sind bestimmt nicht so teuer wie die Katzennetze im Zoohandel.
Wobei wir noch nicht wissen, ob es nicht auch ohne geht, aber soweit sind wir ja eh noch nicht.
Zum Wolle färben hab ich immer keine Lust, ist ja auch schwierig, so in der Wohnung. Aber wenn ich sie auch erstmal auf dem Balkon aufhängen kann….
[Antwort]
Weil ich den Garten und das Brunnenwasser nutzen kann, will ich das Färben mal probieren.
Wenn dir mal auf Flohmärkten oder so eine preiswerte Kardiermaschine über den Weg läuft, dann lass es mich mal wissen. Ich bin überzeugt, dass so etwas manchmal noch auf Dachböden schlummert. (Neuwertige gibt es, aber die kann ich mir nicht leisten im Moment)
Weißt du was, liebe Frau Momo, wenn alle Stränge reißen machen wir eine Wollbude auf, gell.
[Antwort]
Wenn ich eine Kadiermaschine finde, nehme ich die selber
Ich suche nämlich auch eine…. leider sind die selbst gebrauch bei Ebay noch zu teuer.
[Antwort]
eben. Ich mache hier schon alle wuschig. Vielleicht finde ich ja was. Ich werde an dich denken.
Das war genau das, was du zur Aufmunterung gebraucht hast. Mit dieser Schafwolle sind deine Lebensgeister wieder erwacht. Liebe Gudrun, ich freue mich für dich.
[Antwort]
Mit der Schafwolle und den netten Gesprächen mit den Gartennachbarn.
Und nun bin ich mal wieder am Nachdenken über ein richtiges Spinnstübchen …:D
[Antwort]
Ooooh ja, da kommen Erinnerungen bei mir auf. Ich habe den Geruch noch in meiner Nase und das Gefühl von der mit dem Wollfett gepflegten Hand. Ich hatte damals mit meinen Kindergartenkinder bei einem Projekt Schafwolle gewaschen.
[Antwort]
Liebe Beate, ich möchte das auch gerne machen mit Kindern.
Der Nachbarjunge möchte ein Heilwollekissen. Mit ihm werde ich seine Wolle waschen, mit der Hand, ohne chemische Zusätze, nur um die groben Verunreinigungen zu entfernen. Es wird gut, das weiß ich.
[Antwort]
Oh wie klasse. Ich bin gespannt, welche Fäden Du aus dieser Wolle weiterspinnst – handwerklich, fotografisch und erzählerisch.
Lieben Gruß
Eva
[Antwort]
Manchmal bin ich selber gespannt, liebe Eva. Aber eine Ahnung habe ich schon.
Ich werde mir mal Mühe geben.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
Gudrun, das sind ja richtig tolle Natur(er)kenntnisse, die ich hier lesen kann. Dennoch glaube ich, dass mir solche Gelüste abgehen – Lenni deckt meinen Tierbedarf und alles, was daraus entsteht, vollkommen. – Und stricken von Socken ist mir im Handarbeitsunterricht gründlich verleidet worden.
Aber über deine Woll-Spinn-Geschichten freue ich mich.
LG von Clara
[Antwort]
Ach weißt du, liebe Clara, Schafwolle hat etwas Beruhigendes, Mütterliches. Mit diesem Material arbeiten, egal was man daraus macht, ist sehr angenehm. Der kleine Junge aus dem Nachbargarten wird sein mit Schafwolle gefülltes Kissen bekommen.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
So ein herrliches Arbeiten, ich glaub´ich komm mal schnell vorbei! Das hat so was meditatives!
LG von Rana
[Antwort]
Ja, genau so ist es. Ich überlege schon, wie man aus so etwas eine “gemütliche Runde”machen kann. (Es lag lange auf Eis, meine Spinnerei.)
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
…gewaschen habe ich sie noch nie selber, liebe Gudrun,
nur versponnen und verstrickt…aber das ist auch schon lange her…schön, dass du diesen Garten so mitnutzen kannst…
lieber Gruß von Birgitt
[Antwort]
Ich hätte gerne selber ein Fleckchen, mit einer Schlehenhecke drum herum, einem Schäferkarren als Raum für meinen Krempel … Oder irgendwo ein Räumchen, wo man auch im Winter sitzen kann. … Mal sehen. Ich habe jedenfalls wieder Lust zum Suchen.
Liebe Grüße an dich, liebe Birgitt
[Antwort]
Klasse!
[Antwort]
Das fasst sich so gut an.
[Antwort]
Da hat sich Dein kleiner Ausflug ja gelohnt. Prima, dass Du Wolle bekommen hast. Vielleicht später wieder mal?
Bei mir ruht das Socken stricken, komme grad überhaupt nicht dazu.
Liebe Grüße nochmals von mir zu Dir.
[Antwort]
Das Wollewaschen kam mir gerade Recht, liebe Kerstin. Es war furchtbar heiß und das Gemantsche im Wasser tat gut. In früheren Zeiten bin ich auch schon mit den Füßen rein. So zarte Füße hatte ich nicht gleich wieder.
Liebe Grüße in die Aue
[Antwort]
Na da hattest Du ja eine ganz wunderbare Beschäftigung.
(Ich war unterwegs und dabei an zwei Stellen nach [alten] Kardiermaschinen fragte. ‘n Zwacken darf sie kosten?)
[Antwort]
Bei den gängigen Versteigerungsportalen versteigert man immer nur neuwertige oder wenigstens fast neue. Und die sind mir einfach viel zu teuer. Das ist im Satz leider nicht vorgesehen.
[Antwort]
Grauenhaftes Deutsch, sorry
[Antwort]
Ich verstehe es aber!
[Antwort]
Ich hab mal “aufgestellt” bei Filzern und zwei Krempelläden – mit der Zwacken-Grenze …
[Antwort]
Danke, lieber Emil.
Dafür bekommst du die nächste Bildergeschichte geschenkt. Die dreht sich um das “Sachsen-Anhaltinerische”.
Das ist ja toll, liebe Gudrun. Wie die Dinge auf einen zukommen – ganz ohne dass man danach sucht, das fasziniert mich immer wieder.
Das sieht lustig aus wie die Wolle über der Leine im Wind weht.
Liebe Grüsse von Mia
[Antwort]
Weißt du was, liebe Mia? Das ist wirklich nur Wolle, so wie sie vom Schaf kam. Jeder, der am Garten vorbei lief und das sah, lächelte.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
Ich habe deine Schilderung vom Wolle waschen mit großem Interesse gelesen, und freue mich sehr mit dir!
Und deinen Header finde ich einfach umwerfend niedlich, ich könnte ihn stundenlang vor mich hinschmunzelnd betrachten.
Liebe Grüße!
[Antwort]
Liebe Grüße nach München
[Antwort]
Ach wie schön! Endlich wieder in natürlichen Gefilden und zwar mitten mit den Händen drin und den Duft in der Nase. Das gibt Kraft und Energie!
Schöne Gedanken wünsche ich dir & liebe Grüße,
die Emily
[Antwort]
Stimmt, das gibt Energie, gute Laune und recht anregende Gespräche mit den Nachbarn.
Liebe Grüße an dich, liebe Emily
(Ich freue mich sehr, dass du da warst.)
[Antwort]
oh, schön! das ist doch mal wieder eine gute Nachricht. Du bist einfach so in die Freude geschlittert! Ist schon toll was man erleben kann, wenn man nicht zu Hause hockt. Jetzt bin ich auch gepannt wo deine Spinnerei hinführt.
[Antwort]
Das ist wahr, es hat sich einfach so ergeben. Und es ist auch war, dass ich das nicht erlebt hätte, wenn ich zu Hause geblieben wäre.
Liebe Grüße aun dich
(Ich drücke immer noch alle Daumen.)
[Antwort]
Ich muss bei Deinem Artikel an das letzte Pratchett Buch denken. Auch dort spielen Schafe, Spinnen (nicht die achtbeinigen), und ein Schäferkarren nebst Schäferin (die auch die gute Hexe der Gegend ist, böse gibt es nämlich nicht) eine wichtige Rolle. Sie sind so etwas wie das Zentrum, das bodenständige, ewig lebende, der Ursprung. Ja, daran musste ich denken. Dass Du etwas wiedergefunden hast, das Dich lebt und das Du lebst. Schön!
Herzlichst,
Elvira
[Antwort]
Fast hätte ich einen alten Schäferkarren geerbt. Ich wusste aber nicht, wo ich ihn hinstellen sollte.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
Schön die Fotos, der Sonnenhut gefällt mir.
Lg,
Rewolve44
[Antwort]
Stimmts, der Hut ist “bonfortionös”.
Liebe Grüße an dich, lieber Barry
[Antwort]
Guten Abend, liebe Gudrun
wie schön .. ich hab deinen Bericht mit Begeisterung gelesen – das war ja ein wunderbares Zusammentreffen. Gut, dass du dort unterwegs warst zum richtigen Zeitpunkt..und dann in den Genuß gekommen bist, wieder die Wolle unter deinen Händen zu fühlen. Ich hab das noch nie erlebt, aber es muss ein schönes Gefühl sein. Und der Geruch ..och.. mich stört auch das “Parfum Nasser Hund” nicht ..
das ist Natur ….
Diese Fesseln sind mir auch nur zu bekannt – und ein gutes Gefühl, wenn man dann etwas tut und sie abschüttelt ..
Viele liebe Abendgrüße und Wünsche für dich,
Ocean
[Antwort]
Hallo, liebe Ocean,
schön, dass du mich besuchst. Ach ja, nasser Hund, das ist wirklich nicht schlimm. Wenn ich an die Ziegenböcke denke, damals in der Herde.
Ich habe beschlossen, dass der kleine Junge seine Wolle selber waschen darf. Ich freue mich schon darauf.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
Was für eine tolle Begegnung in der neuen Umgebung.
Liebe Gudrun, das ist ja großartig.
Wunderschöne Fotos sind das, die Herbstblumen blühen schon.
Die Wolle schaut super aus.
Ich lese auch gerade das Buch des 100-Jährigen….
So wurden dir also Fesseln gelöst, das ist großartig.
Liebe Grüße zu dir in deinem Spinnstübchen
deine Bärbel
[Antwort]
Manchmal ist es ganz einfach, Fesseln zu lösen, gell. Ich bin richtig froh. Und so konnte ich auch wieder auf andere zugehen, und sogar wieder zeichnen.
Liebe Grüße an dich, meine liebe Bärbel.
[Antwort]
Hey, so ein ähnilches Bild mit Strohhut hab ich von mir auch!
Mit Handarbeiten hab ich es nicht so, aber sonst bin ich halt auch ein “Naturmensch”
[Antwort]
Naja, wenn man es genau betrachtet sind das recht grobe Handarbeiten, liebe Heidi. Filigrane Sachen gelingen mir auch nicht.
Der Hut musste sein. Ansonsten hätte ich einen Sonnenstich bekommen.
Liebe Grüße
[Antwort]
Liebe Gudrun, ich möchte nicht sang- und klanglos reinschleichen, lesen, mich erfreuen daran, dass du so eine unbändige Freude hast, und einfach wieder abhauen. Ich spinn nicht, jedenfalls nicht mit Wolle, ich hab keine Katze und trotzdem kann ich deinen Spaß an der Sache nachvollziehen.
Liebe Grüße aus dem Dorf
[Antwort]
Bei mir kann man auch sang- und klanglos hereinschneien, liebe Piri. Man muss nicht immer etwas sagen.
Klar freue ich mich über jeden Kommentar, aber es darf nichts erzwungen sein. Mir sind meine Besucher wichtig. Ich verlange nichts, möchte alles ganz zwanglos, denn ich weiß, dass auch ich nichts sagen kann, wenn ich das Gefühl habe sowieso nicht die richtigen, erwarteten Worte zu finden. Komischerweise eckt man auch an, wenn man schweigt.
Liebe Grüße an dich
[Antwort]
Ich kenne das alles noch von meiner Großmutter mit allem Drum und Dran.
Liebe Grüße von der Silberdistel
[Antwort]
Oh, das war bestimmt als Kind recht schön. Ich war mit meiner Oma immer Käuter sammeln. Allerdings war ich damals zu klein, um mir zu merken, was sie tat.
Liebe Grüße an ich
[Antwort]
Das war bestimmt ein ganz besonderer Plausch und Nachmittag, wenn man auf Gleichgesinnte trifft, die so ein seltenes Handwerk betreiben.
Ich wünsche dir viel Spaß bei der nächsten Wasch-Trocken-Verspinn-Aktion Gudrun
[Antwort]