Wenn ich aus meinem Küchenfenster schaue, sehe ich die Windräder, meine Windräder.
Damals, bei meiner Arbeit im Freizeitpark, sah ich die Räder auch, nur von der anderen Seite. Ein Kollege brachte mir damals bei, die Wolken zu beobachten. Wenn so richtig dramatisch dunkle Wolken von den Windrädern gezogen kamen und man den Horizont nicht mehr sah, war die Wetterfront über die Wetterscheide gezogen und dann wurde es heftig. Unwetter nahte. Von ihm lernte ich auch, die Zeit zu bestimmen, die man noch hatte um alles fest zu binden.
Mit dem Jan wollte ich schon einmal zu den Windrädern pilgern, aber wir hatten uns “verfranzt”. Die Wege und der Acker waren aufgeweicht und so kehrten wir wieder um.
Ich wollte es heute wissen. Also habe ich den Rucksack gepackt, die Kamera geschnappt und bin los. Hier sieht man noch einen Weg, aber ich weiß jetzt auch, was “unwegsam” heißt.
Ich hatte den Mp3-Player vergessen und ärgerte mich. Aber nur kurz, denn ich konnte eine Ruhe genießen. Außer Vogelgezwitscher war nichts zu hören. Ab und zu knackte es im Unterholz neben dem Weg. Schade, dass ich nicht sehen konnte, welches Kleingetier da entlang huschte.

Ich kam den Windrädern immer näher. Mit lautem Geschrei flog ein Schwarm Möwen in die Luft. Ich war es nicht, der die aufgescheucht hatte. Landwirtschaftliches Gerät war unterwegs, zur Freude der Möwen, die sich auf den Acker stürzten, kaum dass der Traktor vorbei war.
Das Foto von Jans Baum, der nahe der Autobahnsteht, musste ich machen. Dort waren wir mal im Winter und der Jan “kroch” mit der Kamera um den Baum herum. Ich hab mir bald den Poppes abgefroren. Heute war mir das wesentlich angenehmer, den Baum zu sehen. Schaut mal, wie weit und flach ist das Land hier bei uns ist. Manchmal ärgert mich das, weil man in anderen Gegenden einfach nur die Kamera in die Luft halten muss und ein tolles Motiv eingefangen hat. Tja, hier aber ist die Leipziger Tieflandsbucht. Aber ehrlich, die Weite hat auch etwas.
So langsam näherte ich mich meinem Ziel. Ich war den Windrädern schon ganz nahe. Von dieser Position aus klang es, als ob die Flügel den Wind zerschnitten. Flupp. Flupp. Flupp. Ich fand das Geräusch nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich hätte mich liebend gerne in einen Liegestuhl gepackt. Garantiert wäre ich ganz schnell entschlummert.
Nur noch wenige Schritte und ich stand am Fuße des Windrads. Eine Treppe führte hinauf zu einer Tür. Auf diese Treppe setzte ich mich und packte meine “Bemmchen” aus. Dazu gab es einfach nur Wasser. In dem Freizeitpark hatte ich mal Cola getrunken, die lange Zeit in der Sonne stand. Ich hab sie ausgespuckt, und das ist mir heute noch peinlich. Seither gibt es Wasser. Keinen Tee, nein, Wasser. Von meiner Wanderung hatte ich richtig Hunger bekommen. So gut hat mir mein Vesper lange nicht geschmeckt.
Der Jan hatte mal gesagt, dass er sich mal unter das Windrad auf die Wiese legen und einfach nach oben in den Himmel fotografieren möchte. Lieber Jan, ich habe das heute gamacht! Ein Stückchen hin, in einem anderen Windrad arbeitete ein Monteur. Es war mir egal, was der sich gedacht haben könnte.
Schon lange hatte ich mich nicht so wohl gefühlt. Auf meiner Wanderung habe ich noch so viel entdeckt: Schmetterlinge, Blühendes, einen Joga-Baum, der ganz eigenartige Verrenkungen machte. Und meinen Bussard, den habe ich auch getroffen. Ich kann das alles gar nicht beschreiben, aber so muss das sein, wenn einem “das Herz aufgeht”. Als ich wieder zu Hause war und meiner Nachbarin erzählte, wo ich gerade war, sagte sie: “Du hast Nerven! Du bist ja verrückt. Es gibt doch nun wirklich Schöneres.” Wirklich?
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